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Nachwuchsforschergruppen

Norm, Normativität und Normenwandel

Zentrales Anliegen der Nachwuchsforschergruppe in den nächsten Jahren wird es sein, Antworten auf die Frage zu finden, ob und inwieweit Gerechtigkeit als eine normative Theorie für gesellschaftliche Ordnung im Islam thematisiert wird. Dabei wird der Begriff Gerechtigkeit auf seine rechtstheoretischen, theologischen und empirischen Aspekte hin untersucht.

Im islamischen Rechtsdenken hat sich im Großen und Ganzen, zumindest formal, die Tendenz durchgesetzt, die das Praktizieren des Iǧtihād und damit den Prozess des Normenwandels im weitesten Sinne für selbstverständlich hält. Hier wird nach Zusammenhängen zwischen der Idee der Gerechtigkeit und der Entfaltung des Rechtsdenkens gefragt.

Auf der anderen Seite haben der Streit über die Gerechtigkeit Gottes und die Frage, ob sie nach menschlichen Maßstäben zu beurteilen ist, zu großen theologischen Auseinandersetzungen im Islam geführt. Hier wird die Diskussion über Gerechtigkeit als Attribut Gottes und als ein signifikantes Merkmal islamischen Weltbildes untersucht.

Ein weiterer Forschungsstrang fokussiert den empirischen Aspekt und fragt, wie die Muslime beispielsweise in Deutschland über Gerechtigkeit denken bzw. sie definieren, und wie sie die gegebenen rechtlichen und sozialpolitischen Verhältnisse in Hinblick auf ihre Vorstellungen zur Gerechtigkeit beurteilen.

Dissertationsprojekt (Philipp Farid Zuleimen): Ibn Taymiyyas (gest. 728/1328) Lehre von den Attributen Gottes – eine Analyse und historische Einbettung seiner Ansichten.

Das Dissertationsprojekt zielt darauf ab, Ibn Taymiyyas Methodik im Umgang mit den in den Offenbarungsquellen überlieferten göttlichen Attributen darzustellen und zu analysieren. Dabei soll unter anderem untersucht werden, in welchem Verhältnis seine Ansichten zu den theologischen Positionen stehen, die in der ḥanbalitischen Schule vertreten wurden. Auch soll herausgearbeitet werden, ob und inwiefern Ansichten vorhergehender (auch nicht-ḥanbalitischer) Gelehrter explizit oder implizit in Ibn Taymiyyas Verständnis von Gottes Attributen bzw. in seine Argumentationsstrategie miteingeflossen sind. Unter anderem soll die Analyse seiner Ansichten auch eine Antwort darauf geben, ob Ibn Taymiyyas theologische Positionen als anthropomorphistisch gelten können und wie es z. B. in diesem Kontext zu verstehen ist, dass manche Attribute wie gerecht sowohl Gott als auch dem Menschen zugeschrieben werden können.

Mitarbeiter_innen: PD Dr. Abbas Poya, Farid Suleiman

Islamische Gegenwartskulturen: Schiiten und schiitische Religiosität in Deutschland

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert eine religionswissenschaftliche Nachwuchsforschergruppe zum Thema „Islamische Gegenwartskulturen“ an der Universität Bayreuth als Kooperations- und Austauschpartner für die neuen Forschungsgruppen am Department für Islamisch-Religiöse Studien an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (DIRS).

Die Nachwuchsforschergruppe soll sich dem bisher kaum erforschten Phänomen schiitischer Religiosität in Deutschland widmen. Methodisch aufbauend auf Forschungen zu marginalisierten religiösen Gruppen islamischer Tradition im transnationalen Kontext soll auf der Grundlage einer Bestandsaufnahme schiitischer Akteure, Organisationen und ‚Ritualgemeinschaften‘ untersucht werden, in welchem Maße und mit welcher Spezifik schiitische Diskurse und Praktiken in Deutschland nachzuweisen sind. Gefragt wird insbesondere nach ihrer internen Diversität einerseits wie auch nach ihrer Einbindung in transnationale Netzwerke zwischen anderen europäischen Diasporagemeinden sowie Herkunftsländern andererseits. Von besonderer Relevanz ist darüber hinaus, welche Rolle ‚Schiitentum‘ und schiitische Identitätskonstruktionen im ‚gesamtislamischen‘ deutschen Feld sowie auch im Rahmen der staatlichen Institutionalisierung von ‚Islam‘ in Deutschland spielen.