Exkursion Usbekistan 2025 – Auf den Spuren der Seidenstraße
Religiöses Kulturgedächtnis als zwischenmenschlicher Begegnungsort
4.–12. Oktober 2025
Im Zeitraum vom 4. bis 12. Oktober 2025 führte das Department für Islamisch-Religiöse Studien der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Mohammed Nekroumi und der organisatorischen Koordination von Imane El Guennouni eine einwöchige wissenschaftliche Exkursion nach Usbekistan durch. Die Exkursion verband akademische Lehre, internationale Vernetzung und kulturelle Begegnung.
Ziel der Exkursion war es, Studierenden vertiefte Einblicke in die religiösen, theologischen und intellektuellen Traditionen Zentralasiens zu ermöglichen und zugleich den Austausch mit zentralen wissenschaftlichen Institutionen vor Ort zu fördern. Usbekistan, als historischer Knotenpunkt der Seidenstraße, bot hierfür einen besonders fruchtbaren Kontext. Theologie, Rechtswissenschaft, Sufismus, Manuskriptkultur und gelebte religiöse Praxis wurden nicht nur theoretisch erschlossen, sondern in ihrem kulturellen und gesellschaftlichen Zusammenhang erfahrbar gemacht.
Akademische Programmpunkte und institutionelle Kooperationen
Den Auftakt bildete der Aufenthalt in Taschkent, wo die Gruppe im Rahmen eines geführten Altstadtrundgangs zentrale religiöse und historische Orte besuchte. Dazu zählten unter anderem der Hazrati-Imam-Komplex mit dem berühmten Koranmanuskript des ʿUthmān, die Kukeldash-Madrasa sowie die Khoja-Akhrar-Vali-Moschee. Der Besuch verband Einblicke in die islamische Architektur- und Bildungsgeschichte mit Beobachtungen zeitgenössischer religiöser Praxis.
Ein inhaltlicher Schwerpunkt lag auf dem wissenschaftlichen Austausch mit usbekischen Partnerinstitutionen. An der International Islamic Academy of Uzbekistan fand in Zusammenarbeit mit dem UNESCO Chair Comparative Study of World Religions ein Workshop zum Thema „The Question of Methodology in Modern Islamic Studies“ statt. Beiträge von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Usbekistan und Deutschland thematisierten methodische Zugänge in der Islamischen Theologie, epistemologische Fragestellungen sowie Entwicklungslinien der Religionswissenschaft im usbekischen Kontext. Der Workshop bot den Studierenden fachliche Vertiefung sowie Einblicke in unterschiedliche akademische Traditionen und Forschungslogiken.
Nach dem Schwerpunkt auf zeitgenössischem akademischem Austausch in Taschkent verlagerte sich das Programm in Samarkand stärker auf klassische Gelehrsamkeit und Manuskripttraditionen. Dort besuchte die Gruppe das Imam Bukhari International Scientific Research Center. Neben einer Einführung in die Hadithwissenschaft in der Tradition Imām al-Buḫārīs stand insbesondere die Arbeit mit Manuskripten im Fokus. Die Verbindung von theoretischem Wissen und konkreter Manuskriptpraxis ermöglichte den Teilnehmenden einen unmittelbaren Zugang zu zentralen Quellen islamischer Gelehrsamkeit.
Einen weiteren Höhepunkt bildete der Besuch des Mausoleums von Abū Manṣūr al-Māturīdī, der es den Studierenden ermöglichte, zentrale theologische Traditionslinien sunnitischer Theologie räumlich und historisch zu verorten.
In Bukhara lag der Schwerpunkt auf der Verbindung von Theologie, Rechtsgeschichte und Sufismus. Im Rahmen eines Roundtables an der Mir-ʿArab-Madrasa, organisiert in Kooperation mit dem Bahauddin-Naqshband Scientific Research Center, wurden Bukhara als Zentrum islamischer Gelehrsamkeit sowie die Naqschbandīya-Tradition diskutiert. Der anschließende Besuch des Naqschbandīya-Zentrums vertiefte diese Inhalte und eröffnete Perspektiven auf das Zusammenspiel von Spiritualität, sozialer Praxis und religiöser Autorität.
Die abschließende Evaluation der Exkursion verdeutlichte den hohen Mehrwert dieses Formats für Studium und Forschung. Die enge Verbindung von Seminarinhalten, internationalem akademischem Austausch und der unmittelbaren Anschauung historischer Orte ermöglichte den Studierenden eine nachhaltige Vertiefung ihrer fachlichen Kenntnisse. Zugleich stärkte die Exkursion die internationalen Kooperationen des Departments und unterstrich dessen Profil im Bereich einer global vernetzten Islamischen Theologie.

